Das alte Jahr verabschieden, das neue Yoga-Jahr begrüssen

28. Nov 2018 | Claudia Eva Reinig | Yogainspiration

Die stillere und auch dunklere Jahreszeit birgt die Versuchung, ganz unter der Bettdecke zu verschwinden, mehr Zeit mit Videos und sinnlosem Scrollen zu verbringen und die verführerische Keksdose nicht mehr aus der Hand zu nehmen. Ganz klar, es ist wichtig, auch die "Freuden" des Winters zu geniessen. Ich liebe es, nach draussen zu gehen, mit meinem Board auf dem Wasser zu sein, auch wenn die Finger kalt werden. Das Gleiten auf dem Wasser versetzt mich in zauberhafte Glücksmomente, das Plätschern des eintauchenden Paddels ist wie königliche Musik in meinen Ohren. Das Paddeln nach vorne dient auch der Vorausschau.
Welch Ritual, seit vielen Jahren halte ich am Jahresende inne und widme mich einigen Fragen. Quasi eine Standortbestimmung. Manchmal nehme ich die Fragen mit zu einem Spaziergang in die Natur, meist sitze ich am Strand unter einer Palme, manchmal reflektiere ich irgendwo am Kaminfeuer. Je nachdem wo ich gerade bin auf der Welt. Ich möchte mit dir diese reflektierenden Fragen teilen, sie betreffen indirekt auch den Yogaweg und können dein Leben mit Yoga und der Meditation wunderbar bereichern. Es ist ein Würdigen dessen, was war und ein sich Öffnen für deine Visionen und Wünsche. Entdecke deine Lebensspur, indem du das alte Jahr wertschätzend abschliesst und dich mit neuem Fokus für das nächste Jahr ausrichtest. Ja, es ist Zeit, sich wieder mit der inneren Reise zu beschäftigen. Wenn die Bäume ihre Blätter loslassen, können auch wir alles loslassen, was uns nicht mehr dient. Sich Fragen stellen, zu dem was war und zu dem was sein wird, wir dürfen Neues in Aussicht nehmen. Manchmal muss man dazu auch ein bisschen raus aus der Komfortzone und raus aus dem gemütlichen Einwohnen.
Komfortzone? - Komm fort!

Es geht nicht um die Liste der guten Vorsätze, sondern um eine Ausrichtung für Dein Leben. Es geht darum, dir Klarheit zu schaffen, zu sehen, wo du dich gerade auf deiner Lebensreise befindest. Mit Yogaworten ausgedrückt: wie das Alignment im Asana oder der Sankalpa beim Yoga Nidra. Vielleicht kannst du dir in den 12 Rauhnächten Zeit dafür nehmen. Diese geheimnisvollen Nächte beginnen nach Weihnachten und ziehen sich durch Neujahr bis zum 6. Januar. Diese Zeit gilt der Rück- und der Vorausschau, Rituale und Bräuche begleiten diese heilige Zeit, die es seit Ewigkeiten gibt. Eine tolle Idee ist, finde ich, nachdem du für dich im Stillen reflektiert und die Fragen beantwortet hast, du dich dann mit dem Partner, Freund oder Freundin austauschst. Der/die andere hat natürlich auch die Fragen beantwortet. Das schafft Innigkeit, Verbindung und Verständnis.

Jetzt geht es los. Mache dir eine Tasse Tee. Setze dich an einen schönen und entspannten Ort. Achte darauf, dass Du ungestört bist. Besinne dich einen Moment und meditiere, bevor du die 25 Fragen beantwortest. Gehen wir zuerst zum alten Jahr. Gedanken darüber lassen es wertschätzen und würdigen, was war.
Schreibe mit der Hand und einem schönen Stift auf ein Blatt:

  1. Was war gut im alten Jahr?
  2. Was alles hat geklappt?
  3. War Yoga ein wesentlicher Bestandteil des Jahres?
  4. Wo durfte ich mich weiterentwickeln?
  5. Wofür bin ich ganz besonders dankbar?
  6. Was ist Neues in mein Leben getreten?
  7. Welche Menschen und Begegnungen haben mir gut getan?
  8. Was war fruchtbar und nährend für mich?
  9. Was möchte ich davon mit ins neue Jahr mitnehmen?

    Notiere nun auf einem zweiten Blatt folgendes:
  10. Was war nicht so gut im alten Jahr?
  11. Was möchte ich abschliessen?
  12. Was oder wer hat kein Platz mehr in meinem Leben, was gehört nicht mehr zu mir?
  13. Welche Situationen waren eher anstrengend für mich, was hat mich genervt, gekränkt oder traurig gemacht?
  14. Was hatten rückblickend diese Situationen Gutes für mich?
  15. Durfte ich mich dadurch weiterentwickeln, war es vielleicht befreiend oder sogar heilsam?

    Auf Blatt 3 entwickle nun deine Vision für das Neue Jahr:
  16. Lasse ich mich genügend vom Leben berühren?
  17. Was ist es, was mich berührt, was bringt mein Herz zum Klopfen?
  18. Was will ich neu aufnehmen oder ausbauen?
    (zB im Bereich von Familie und Beziehung, im Bereich der Arbeit, im Spirituellen)
  19. Wo kann ich Yoga, Meditation und gesunde Ernährung integrieren?
  20. Was würde ich gerne Neues kreieren?
  21. Was darf bleiben?
  22. Was ist mein Lebenstraum? Gibt es mehrere?
  23. Was kann ich dafür geben?
  24. Gibt es spezielle Qualitäten, die ich in mein Leben einladen möchte?
    (z.B. Entspannung, Leichtigkeit, Glück, Gesundheit, Begeisterung, Pausen, Ruhe, Liebe, …)
  25. Wo sehe ich mich Ende 2019?

Das ist eine ganze Menge. Du musst diese Fragen nicht auf einmal beantworten. Nimm dir Zeit dafür. Vielleicht hast du sogar noch Zeit für ein abschliessendes Ritual: Blatt 1 ist das Geschenk vom alten Jahr, ehre es und lege es an einen besonderen Platz. Blatt 2 verbrenne, am besten in einer Feuerschale oder im Chemineeofen. Damit sich all das Geschriebene darauf transformieren und verwandeln kann. Blatt 3 ist dein Wegweiser fürs neue Jahr, dieses kommt zum ersten Blatt, an den besonderen Platz. Und vergiss nicht, es Ende 2019 nochmals neugierig vorzuholen, um zu schauen, was sich manifestiert hat.
Viel Freude, leichten Wind unter den Flügeln, zauberhafte Gedanken und Kraft mit Yoga wünscht dir Claudia

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