WIE WIR DEM LEBEN VERTRAUEN LERNEN!
Zwischen Kontrolle und Loslassen
Wir versuchen vieles zu kontrollieren, um uns sicher zu fühlen – und verlieren dabei oft genau diese Sicherheit, da es in uns immer enger wird.
Der Blog wirft einen Blick darauf, warum wir so oft kontrollieren – und wie wir lernen können, uns wieder vom Leben tragen zu lassen.
Du bekommst Impulse an die Hand, wie du lernst loszulassen und dem Leben wieder zu vertrauen.
Manchmal fühlt sich das Leben an wie ein Fluss, der schneller fliesst, als wir schwimmen können.
Anstatt uns tragen zu lassen, beginnen wir zu strampeln.
Wir planen, wir optimieren und kontrollieren. Nicht, weil wir stark sind –
sondern oft, weil wir uns unsicher fühlen und die Situation, die uns in Ohnmacht bringt, kontrollieren wollen.
Tief in uns entsteht der Gedanke:
Wenn ich nur alles im Griff habe, dann wird es gut.
Wenn ich nichts dem Zufall überlasse, wenn ich mich richtig verhalte, genug tue, genug gut bin…
alles genau so läuft, wie ich es mir vorstelle, dann werde ich sicher sein.
Doch diese Kontrolle, nach der wir greifen, ist trügerisch.
Sie gibt uns für einen Moment Halt, doch führt uns gleichzeitig immer mehr
in die Enge und in das Vermeiden wollen.
Denn je mehr wir versuchen, das Leben festzuhalten, desto enger wird es in uns.
Vertrauen scheint in solchen Momenten fast wie ein Wagnis. Wie ein Loslassen ins Unbekannte.
Und doch liegt genau dort eine andere Form von Sicherheit -
die im inneren Vertrauen und der Zuversicht.
Gerade in einer Welt, die sich ständig wandelt, die laut, schnell und manchmal überfordernd ist,
wird Vertrauen zu einer inneren Praxis.
Nicht als naives „Es wird schon gut gehen“, sondern als bewusste Entscheidung,
mitten im Ungewissen weich und so weit wie möglich entspannt zu bleiben.
Vertrauen beginnt genau dort, wo wir erkennen, dass unsere Kontrollsucht nie wirklich Sicherheit war,
sondern nur der Versuch, irgendwie ein sicheres Gefühl zu bekommen.
Und vielleicht dürfen wir genau hier einen neuen Schritt wagen:
Nicht mehr alles festhalten zu wollen. Sondern uns langsam wieder tragen zu lassen.
Die drei Schritte aus der Kontrolle:
Abgeben, annehmen und loslassen:
1. Abgeben – Die Illusion der Kontrolle erkennen
- Nicht immer Optimieren müssen
- Erwartungen an uns selbst („Ich sollte…“)
- Erwartungen an andere („Sie müssten doch…“)
- Sanfter Impuls: Was, wenn ich nicht alles tragen muss?
2. Annehmen – dem Moment begegnen
- Verbindung zur Achtsamkeit / im Moment sein (Yoga, Atmung, Meditation)
- Gefühle da sein lassen und spüren (auch Unsicherheit, Angst, Frust)
- Annehmen heisst nicht aufgeben, sondern einfach nur wahrnehmen
- Was entsteht, wenn ich nicht mehr klammere?
3. Loslassen – Raum für Neues schaffen
- Loslassen als aktiver Prozess
- Das, worauf wir keinen Einfluss haben, "sein lassen"
(die Situation oder die Handlungen/Meinungen anderer Menschen) - Vertrauen als Haltung, nicht als Garantie, d.h. die bewusste Entscheidung, in Vorleistung zu gehen, ohne genau zu wissen, ob man enttäuscht wird
- Offene Hände statt geschlossene Fäuste - Sand, der sanft durch die Finger rieselt
Hier drei einfache und erfahrbare Übungen von der Kontrolle ins Vertrauen zu gelangen.
Kleine Inseln im Alltag:
1. Übung: Die Hände öffnen – vom Festhalten ins Spüren
Setze dich für einen Moment ruhig hin.
Schliesse sanft die Augen.
Balle deine Hände zu Fäusten.
Spüre, wie sich das anfühlt:
die Spannung, das Festhalten, die Kontrolle.
Vielleicht erkennst du dich darin wieder –
dieses innere „Ich muss festhalten, damit es sicher bleibt“.
Und dann… öffne langsam deine Hände.
Ganz bewusst. Ganz weich.
Spüre den Unterschied. Vielleicht Weite, Entspannung und einen weiten Raum.
Bleibe ein paar Atemzüge hier.
Und frage dich leise:
„Was in meinem Leben darf ich heute ein kleines Stück loslassen?“
2. Übung: Vertrauen im Atem finden
Der Atem ist immer da.
Er kommt. Und er geht.
Ganz ohne dein Zutun.
Lege eine Hand auf dein Herz oder deinen Bauch.
Und beginne, deinen Atem zu beobachten.
Du musst nichts verändern.
Nur wahrnehmen.
Einatmen – das Leben kommt zu dir.
Ausatmen – du gibst ab.
Wenn Gedanken kommen, ist das in Ordnung.
Kehre einfach immer wieder zurück zu diesem Rhythmus.
Der Atem erinnert dich: Vertrauen geschieht bereits. Mit jedem einzelnen Atemzug.
Vielleicht entsteht hier ein Sankalpa (innerer Vorsatz, Entschluss):
„Ich werde gehalten, ich habe Vertrauen.“
3. Übung: Das kleine Loslassen im Alltag
Wähle heute ganz bewusst eine Situation,
in der du normalerweise kontrollierst.
Vielleicht eine Erwartung an jemanden.
Vielleicht der Wunsch, dass etwas genau nach Plan läuft.
Und dann übe dich im Nicht-Eingreifen.
Ein kleines Stück.
Atme einmal tief durch,
und sage innerlich:
Ich erlaube mir, dass es auch anders sein darf.
Beobachte, was passiert – im Aussen, aber vor allem in dir.
Diese Übung ist unscheinbar, aber sehr kraftvoll.
Denn Vertrauen wächst nicht in grossen Momenten, sondern in diesen leisen Entscheidungen im Alltag.
Fazit:
Vielleicht ist Vertrauen nichts, das wir erreichen müssen, sondern etwas, an das wir uns erinnern:
Das Leben bleibt ungewiss. Nicht alles liegt in unserer Hand.
Doch wir können wählen, wie wir ihm begegnen.
Mit Enge – oder mit Weite.
Mit Kontrolle – oder mit Vertrauen.
Und vielleicht beginnt genau hier etwas Neues: Nicht im Festhalten,
sondern im sanften Öffnen und Loslassen.
