IM KREIS UND DOCH WEITER

28. Aug 2025 | Claudia Eva Reinig | YOGAINSPIRATION

Einsteigen bitte! – Lebensweisheiten zwischen Gondel und Aussicht

Liebst du es genauso wie ich Riesenrad zu fahren? Die meisten Menschen fahren gerne Riesenrad - ich habe sogar einen wunderbaren Freund, der es trotz Höhenangst gewagt hat. Sich in der Langsamkeit in die Lüfte zu begeben ist Spiel mit Höhe, Aussicht, Emotion und Symbolik – eine Mischung aus Abenteuer und Geborgenheit. „Das Rad des Lebens dreht sich – und wir drehen mit“ - Das hat etwas von 
Aufgang und Untergang, Nähe und Weite, Anfang und Rückkehr. 

Was das Riesenrad über das Leben verrät erfährst du hier im Blog. Inklusive meditativer Entspannungsreise zum Nachspüren!


Was war: Letzte Woche habe ich den Dalai Lama Film geschaut - Wisdom of Happiness. Der Film gibt einen tiefen Einblick über die Gedankenwelt des Dalai Lama. Auch gab es einige Filmausschnitte vom nordindischen Bergdorf Dharamsala, wo er und tibetische Mönche Zuflucht gefunden haben. Berührende Erinnerungen an meine Zeit dort im Tempel und auch der Begegnung mit dem Dalai Lama waren wieder präsent, als wäre es gestern gewesen.


"Wer alles mit einem Lächeln beginnt, dem wird das meiste gelingen."  - Dalai Lama

 

Die letzten 20 Minuten vom Film habe ich nur geweint. Eigentlich weiss ich gar nicht genau weshalb. Wegen der Eindrücklichkeit seiner Worte oder weil ich von seiner Weisheit und dem gleichzeitigen Mitgefühl sehr bewegt war. Vielleicht auch wegen meiner Sorge um die gegenwärtige Lage der Welt und auch dem Unverständnis über die Menschen. Vielleicht auch nostalgische Gefühle zu damals, in Nordindien, hoch oben zwischen Tempel und Yoga.

 

Wenn ich dann so hineinfalle, in die Traurigkeit über die Welt, dann beame ich mich am liebsten in die Höhe. Genau - aufs Riesenrad. Und schaue von oben runter, weit weg von allem. Sage wieder "Hallo" zur Leichtigkeit meines positiven Herzens. Eine Fahrt im Riesenrad wird zum Spiegel des Lebenskreises, in dem Einfachheit und Vertrauen ihren Platz finden. Hoch hinaus, runter kommen, wieder von vorn, immer wieder im Kreis drehen.


Ein kleines Mandala der Bedeutungen, weshalb wir gerne Riesenrad fahren:


  1. Der Blick von oben
    Wir Menschen lieben Perspektivwechsel. Das kennen wir vom Yoga, auch hier begeben wir uns in einen Wechsel der Perspektive - mal bewusst anders auf das Leben schauen. So auch beim Riesenrad, es hebt uns sanft über den Alltag hinaus, wir sehen die Stadt oder die Landschaft von oben in Miniatur und fühlen uns dabei grösser, freier, leichter.

  2. Das Rad des Lebens
    Ein Riesenrad erinnert an den ewigen Kreislauf des Lebens, an das Auf und Ab, an Werden und Vergehen.

  3. Das Kribbeln im Bauch
    Obwohl ein Riesenrad langsamer und ruhiger ist als eine Achterbahn, gibt es doch diesen kleinen Nervenkitzel: die Höhe, das leichte Schwanken der Gondel, der Moment, wenn man ganz oben steht. Ein Mix aus Sicherheit und Abenteuer.

  4. Romantik und Nostalgie
    Riesenräder haben oft etwas Zeitloses, Nostalgisches. Sie stehen für Jahrmarktstimmung, Kindheitserinnerungen, erste Verabredungen und romantische Ausblicke zu zweit.

  5. Entschleunigung
    Das Riesenrad lädt zum Durchatmen ein. Man fährt langsam, kann loslassen, hat Zeit zum Schauen, Staunen und Plaudern. Fast wie eine kleine Auszeit mitten im Trubel dort unten.

  6. Das Symbolische
    Viele empfinden die Fahrt auch als eine kleine Metapher fürs Leben: auf und ab, manchmal der Überblick, manchmal die Nähe zum Boden – und alles in einem geschlossenen, sicheren Kreis.

  7. Das grosse Rad muss sich drehen
    So wie das Riesenrad niemals stillsteht, so ist auch das Leben in Bewegung – es fordert uns auf, mitzuschwingen.

  8. Das Immerwiederkehrende
    Jede Runde gleicht der anderen und doch ist jede einzigartig, wie die Rhythmen in unserem Dasein.

  9. Die runde Welt, das Verbindende
    Im Kreis gibt es keinen Anfang und kein Ende – alles ist verbunden und Teil eines Ganzen.

  10. Rückkehr zum Wesentlichen
    Die Fahrt endet dort, wo sie begann – wie ein Weg, der uns zur Einfachheit und zum Kern zurückführt.

  11. Aufgang und Untergang
    Oben geniessen wir die Weite, unten spüren wir die Nähe zum Boden – ein sanftes Bild für die Rhythmen der Erde, des Himmels und des Lebens.


Was wie ein Jahrmarkt-Spass aussieht, entpuppt sich bei mir als kleine Lektion über Vergänglichkeit, Wiederkehr und Vertrauen. 
Jede Fahrt endet dort, wo sie begann – und doch kehren wir verändert zurück. Das grosse Rad wird zum Spiegel unserer inneren Reise.


Hier noch die versprochene Meditation / Entspannungsreise „Fahrt mit dem Riesenrad“

Dauer ca 5 Minuten


Meditationsanleitung:

...Finde eine bequeme Haltung und schliesse deine Augen. Atme tief ein … und wieder aus …
Lass mit jedem Atemzug ein wenig mehr Ruhe in dich einkehren... Lass los...

...Stell dir nun vor, du gehst langsam über einen Platz. Die Abendluft ist mild, und über dir leuchtet der Himmel in zarten Farben. Vor dir erhebt sich ein grosses, wunderschön beleuchtetes Riesenrad. Ruhig und majestätisch dreht es seine Kreise...

...Du gehst näher und steigst in eine kleine Gondel ein. Sanft schliesst sich die Tür hinter dir. Mit einem leichten Ruck setzt sich das Rad in Bewegung. Ganz langsam hebst du ab … höher und höher...

...Während die Gondel nach oben schwebt, spürst du, wie deine Gedanken leichter werden. Alles bleibt unten zurück, klein wie die Lichter, die nach und nach unter dir erscheinen.
 Mit jedem Atemzug fühlst du dich freier, klarer und weiter...

...Oben angekommen hält das Rad einen Augenblick inne. Du schwebst still im Raum, umgeben von weitem Himmel. Unter dir glitzert die Welt, über dir weitet sich der Himmel unendlich. Ein Gefühl von Frieden breitet sich in dir aus...

...Lass diesen Augenblick wirken. Geniesse die Stille, die Weite, den Überblick. Alles ist gut, alles ist im Fluss...

...Langsam setzt sich das Rad wieder in Bewegung. Mit jeder Umdrehung nimmst du Ruhe, Vertrauen und Leichtigkeit in dich auf...
Und dann... wenn deine Gondel wieder den Boden erreicht, spürst du: Du trägst all diese Qualitäten in dir – jederzeit...

...Atme noch einmal tief ein … und aus …
Dann öffne sanft deine Augen – zurück im Hier und Jetzt, getragen von einer inneren Ruhe.


Sankalpa:
 „Mit jedem Auf und Ab finde ich inneres Glück und vertraue dem Fluss des Lebens.“

Sankalpa: „Ich erhebe mich über den Alltag und finde Klarheit und Frieden in mir.“



Yogalehrerin Claudia Eva Reinig in einer Riesenrad Gondel. Im Hintergrund der Blick von oben auf Bäume und die Welt.„Wenn wir bei uns bleiben
sind wir schon weit gekommen.”

Herzlicht
Claudia, Yogainspiration



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