Yoga und Klang

12. Mar 2018 | Claudia Eva Reinig | Yogainspiration

Klänge können uns Menschen auf sehr tiefe und besondere Art und Weise berühren, wie es andere Eindrücke sonst kaum zustande bringen. Im Prozess von Wachstum, Regeneration, Integration und Heilung haben Musik und Klang eine bedeutende Rolle, die mit Staunen und Ehrfurcht erfüllt. Klänge bringen uns immer wieder mit unserem eigenen Kern in Kontakt und helfen, zurück zum ureigenen inneren Rhythmus zu finden. Die positiven Auswirkungen von Schall und Vibration auf den Heilungsprozess sind erkennbar und messbar. Ich erinnere mich daran, als ich vor Jahren mit dem Harmonium Spielen begann und ich nach einigem Üben zum ersten Mal dann mit meiner Stimme die gleiche Tonlage wie die des Instrumentes traf und beides ineinander verschmolz. Dies war ein „Wow-Erlebnis“ und ich fühlte den Klang als starke Kraft, die direkte Auswirkung auf Gesundheit, Wohlbefinden und Spiritualität hat. In Indien konnte ich vor einigen Wochen eine Yoga Nidra Session leiten. Vor dem eigentlichen Yoga Nidra begann ich mit dem Spielen meiner Handpan. Das Feedback war enorm. Teilnehmer berichteten, dass sie durch den Klang und mit der Melodie sofort in einen sehr entspannten Zustand kamen, als würden sie in einen „besonderen Raum“ eintreten. Durch Hören von entspannender Musik kann sich die Gehirnfrequenz ändern und damit können wir in der Entspannungsphase beim Yoga oder bei Yoga Nidra leichter in die Alpha-Ebene gelangen. Verschiedene harmonische Klänge vermitteln ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit und dies ist ein entscheidender Faktor für unser Glück von Moment zu Moment. 

Fast jeder, der Yoga praktiziert, kennt den Klang AUM. Er gilt als Träger von Prana, der alles durchfliessenden Lebensenergie. Der Yoga des Klangs ist in der gleichen reichen Tradition der indischen Spiritualität enthalten, in der sowohl Yoga als auch Ayurveda ihre Wurzeln haben. Im frühesten vedischen Yoga waren Mantra für das Üben von Asana unentbehrlich, um bestimmte yogische Kräfte zu entwickeln. Bei den Yoga Sutra von Patanjali steht die Entwicklung des Geistes an erster Stelle. Jedoch finden wir auch Verse über die Wichtigkeit des Pranava-Mantras OM, das bedeutend für die Entwicklung von Hingabe ist. „Durch diese Übung richtet sich das Bewusstsein nach innen und die Hindernisse auf dem Weg werden überwunden.“ (Sutra 1.27 - 29). Sogar der herausragende Yoga-Gelehrte Georg Feuerstein stellt in seiner Übersetzung der Yoga-Sutra fest: "Das Summen von OM ist in der Tat eine der ältesten und am weitesten praktizierten Techniken des Yoga.“

Klänge bringen Muskeln, Knochen, die inneren Organe, Lymphe, Nerven und das gesamte Gewebe zum Schwingen. Sie bereiten im Yoga den Körper auf Asana vor, verstärken die Wirkung oder unterstützen beim Ausklang. Klänge, Töne und Musik lassen uns manchmal an Früheres, an Verborgenes oder an Geheimnisvolles erinnern. Welch Glück, das wir die reiche Palette des Yoga nutzen dürfen und damit seine erhellenden und heilenden Eigenschaften immer besser verstehen lernen.

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