Vier Yogis und ein Weg

27. Apr 2019 | Claudia Eva Reinig | Yogainspiration

Wenn dir die vier Yogawege neu sind, dann lies den April Blogeintrag „Die 4 Yogawege in die Freiheit“. Dann kannst du die nachfolgende Geschichte aus "Die Weisheit eines Yogi" von Sadhguru Jaggi Vasudev noch mehr geniessen:


Einst gingen vier Männer im Wald spazieren. Der eine war ein Jnana Yogi, der zweite ein Bhakti Yogi, der dritte ein Karma-Yogi und der vierte ein Raja-Yogi (Kriya-Yogi). Normalerweise kommen diese vier Typen so gut wie nie zusammen.

Der Jnana-Yogi empfindet tiefe Verachtung für jede andere Yoga Richtung. Sein Yoga bedient sich des Intellekts, und für gewöhnlich verachtet ein Intellektueller alle anderen, vor allem diese frommen Burschen, die ständig in den Himmel blicken und dabei den Namen Gottes rezitieren. In seinen Augen sind das reine Trottel. Der hingebungsvolle Bhakti-Yogi wiederum ist der Ansicht, dass dieses ganze Jnana und Karma Yoga sowie die vielen Techniken des Raja Yoga nur Zeitvergeudung darstellt. Er bemitleidet die anderen, weil sie nicht erkennen, dass man nur um die Existenz Gottes wissen, seine Hand halten und vertrauensvoll dahinschreiten muss. Sich mit irgendwelchen Philosophien das Hirn zu zermartern oder sich körperlich anzustrengen kommt ihm völlig absurd vor.

Dann ist da der Karma-Yogi, der Mann der Tat. Er meint, die anderen Typen wären allesamt schlicht stinkfaul. Ihr Leben hält er für reine Nabelschau. Am hochmütigsten ist jedoch der Kriya-Yogi (Raja-Yogi). Er lacht über die anderen. Wissen sie denn nicht, dass das Leben nur aus Energie besteht? Wenn man die eigene Energie nicht transformiert, ob nun aus Sehnsucht nach Gott oder nach irgendetwas anderem, wird nichts passieren! Dann kann keine Transformation stattfinden.

Normalerweise kommen diese Typen also nicht miteinander aus, aber an jenem Tag gingen sie tatsächlich zusammen durch den Wald. Plötzlich brach ein Unwetter über sie herein, das immer schlimmer wurde. Der Regen prasselte erbarmungslos hernieder. Völlig durchnässt rannten die vier Yogis los, verzweifeln auf der Suche nach Schutz.

Der Bhakti-Yogi, ganz Mann der Hingabe und mit den Standorten der Tempel gut vertraut, sagte: „In der Richtung, da ist ein alter Tempel. Laufen wir doch dahin!“ Gesagt, getan - die vier rannten in die betreffende Richtung. Nach einer Weile sahen sie einen uralten Tempel, dessen Mauern schon längst eingestürzt waren. Nur das von vier Säulen getragene Dach war noch übrig. Sie rannten hinein - nicht aus Liebe zu Gott, sondern, um dem Regen zu entkommen. In der Mitte des Tempels stand ein Götterbild, sie liefen darauf zu, während der Regen aus allen Richtungen hereinpeitschte. Da sie nirgendwo anders hinkonnten, scharten sie sich immer enger um die Statue. Schliesslich hatten sie keine andere Wahl mehr, als sich hinzusetzten und die Statue zu umarmen.

In dem Augenblick, als die vier Männer das Götterbild umarmten, erschien plötzlich Gott persönlich. In den Köpfen der vier tauchte dieselbe Frage auf: Wieso gerade jetzt? „Wir haben so viele subtile und geheimnisvolle Philosophien erforscht…“, sagten sie, „…haben an jedem nur möglichen Heiligtum - ob gross oder klein - gebetet, haben selbstlos so vielen Menschen gedient, haben uns so vielen strapaziösen asketischen Übungen unterzogen, und dennoch hast du dich nie gezeigt. Nun aber, da wir nur Schutz vor dem Regen suchen, tauchst du auf. Weshalb?“

Da sagte Gott: „Weil ihr vier Dummköpfe endlich zusammengekommen seid!“

 
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