Claudia Eva Reinig in der Yogaposition das Rad, Chakrasana

Die 5 Grundpfeiler im Yoga - "The Big Five"

2. Sep 2026 | Claudia Eva Reinig | YOGAINSPIRATION

Seit über 30 Jahren mache ich Yoga. In dieser langen Zeit hat sich meine Yogapraxis entwickelt und verändert. Was sich nicht geändert hat, ist die Wichtigkeit von "The Big Five". 


Meine erste Yoga-Ausbildung war in Indien, in einem Sivananda Ashram. Dort hörte ich zum ersten mal von den 5 Pfeilern im Yoga. Bei diesen fünf Punkten geht es darum, die Essenz des Yoga für Körper und Geist praktisch zu vereinfachen.


Yoga ist weit mehr als eine Abfolge von Körperhaltungen. Nach der klassischen Sivananda-Tradition ruht ein ganzheitliches Yoga-Leben auf fünf Grundpfeilern, die Körper, Atem, Geist und Ernährung gleichermaßen einbeziehen. Wer diese fünf Prinzipien versteht und in den Alltag integriert, erlebt Yoga nicht nur als Bewegung auf der Matte, sondern als umfassenden Weg zu mehr Gesundheit, Klarheit und innerer Ruhe.


Die 5 Grundpfeiler im Yoga:

1. Richtige Körperübungen (Asana)

Die Asanas sind der sichtbarste Teil des Yoga – und für viele der Einstieg in die Praxis. Sie kräftigen die Muskulatur, machen die Wirbelsäule beweglich und regen die Blutzirkulation an. Klassischerweise werden sie in der traditionellen Rishikesh-Reihe geübt, einer festen Abfolge von zwölf Grundhaltungen, die den ganzen Körper systematisch durcharbeitet. Dabei geht es nicht um sportlichen Ehrgeiz, sondern um bewusste, achtsame Bewegung, die Kraft und Flexibilität in Einklang bringt.

2. Richtige Atmung (Pranayama)

Der Atem ist die Brücke zwischen Körper und Geist. Durch bewusste Atemübungen – Pranayama – wird nicht nur das Lungenvolumen vergrößert, sondern auch die Lebensenergie (Sanskrit: Prana) gezielt gelenkt. Eine ruhige, tiefe Atmung beruhigt das Nervensystem, steigert die Konzentration und ist Grundlage für jede weitere yogische Praxis.

3. Richtige Entspannung (Shavasana)

Nach Anspannung braucht der Körper bewusste Entspannung, um sich zu regenerieren. Shavasana, die systematische Tiefenentspannung, ist deshalb ein fester Bestandteil jeder Yogastunde. Sie hilft dem Nervensystem, aus dem Stressmodus in einen Zustand der Ruhe zu wechseln, und macht erst spürbar, was die vorangegangene Praxis bewirkt hat.

4. Richtige Ernährung (vegetarisch/sattvig)

Auch die Ernährung ist im klassischen Yoga ein eigenständiger Pfeiler. Eine reine, lacto-vegetarische und vollwertige Kost gilt als sattvig – als leicht, klar und nährend für Körper und Geist. Sie schont die Verdauung, schadet der Welt so wenig wie möglich, schenkt gleichmäßige Energie und unterstützt die geistige Klarheit, die für Meditation und Achtsamkeit wichtig ist.

5. Positives Denken und Meditation (Vedanta und Dhyana)

Der fünfte Pfeiler führt zum eigentlichen Ziel des Yoga: innerer Frieden. Vedanta, die philosophische Grundlage des Yoga, schult positives und klares Denken, während Dhyana – die Meditation – hilft, zur Ruhe zu kommen und emotionale Stabilität zu entwickeln. Erst im Zusammenspiel mit den anderen vier Pfeilern entfaltet dieser Aspekt seine volle Kraft.



Warum ein Retreat der ideale Rahmen ist

Im Alltag oder in der Yogastunde bleibt oft nur Zeit für einzelne Asanas – die anderen vier Pfeiler geraten schnell in den Hintergrund. Ein Yoga Retreat schafft die Zeit und den nötigen Raum: fernab von Terminen und Ablenkungen lassen sich alle fünf Grundpfeiler in Ruhe erleben und miteinander verbinden. Asana-Praxis, Atemübungen, tiefe Entspannung, achtsame, sattvische Küche und Zeit für Meditation greifen ineinander und werden als Ganzes spürbar. Wir erkennen die fünf Themen nicht als getrennt, sondern als zusammenhängenden Weg. 


Yoga als vollständiges System zu leben, statt nur einzelne Teile davon zu üben – ist genau die Erfahrung, welche ein gut gestaltetes Retreat so wertvoll macht. Wer einmal erlebt hat, wie sich Körper, Atem und Geist in einem solch geschützten Rahmen gemeinsam entwickeln, nimmt diese Erfahrung oft weit über die Retreat-Tage hinaus mit in den eigenen Alltag.

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Mehr als nur ein Sivananda-Konzept

Auch wenn die fünf Grundpfeiler ihren Ursprung in der Sivananda-Tradition haben, ist ihre Botschaft weit darüber hinaus gültig. Ob Hatha, Vinyasa, Yin oder ein ganz anderer Stil – letztlich geht es in jeder ernsthaften Yogapraxis um dasselbe Zusammenspiel: bewusste Bewegung, achtsamer Atem, echte Entspannung, bewusste Ernährung und einem Geist, der zur Ruhe finden lässt. 

Die fünf Pfeiler sind ein zeitloses Gerüst, das sich in ganz unterschiedlichen Yogawegen wiederfindet – und das jede Praktizierende, jeder Praktizierende auf die eigene Weise mit Leben füllen kann.



Yoga ist keine Körperposition,
sondern eine Art zu sein.
 
Claudia Eva Reinig


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