Die fünf Elemente im Yoga – Teil 4 Luft

30. Sep 2019 | Claudia Eva Reinig | Yogainspiration

Laut der Yoga- und der Ayurvedaphilosophie setzt sich unser Sein so wie auch die Natur aus den fünf Elementen zusammen. Jedes Element ist zB für unterschiedliche Strukturen im Körper verantwortlich. Die Kombination untereinander bestimmen die Beschaffenheit des Körpers, der Seele und wie wir mit dem Leben umgehen. Ein Überschuss oder Mangel eines der Elemente in unserem Organismus kann ein Ungleichgewicht innerhalb der Gesamtstruktur bewirken. Die fünf grossen Elemente (Maha Bhutas) sind: Erde, Wasser, Feuer, Luft und Raum (Äther). In den letzten drei Blogeinträgen ging es um das Element Erde, dem grobstofflichsten der Elemente, dem Element Wasser, dem fliessenden Aspekt und dem Element Feuer, dem Tranformationsprinzip. Hier in diesem Blog gebe ich dir den Überblick über das Element Luft, seinen Ausdrucksbereich und wie du dieses Element in deiner Yogapraxis stärken kannst. Ich mache dir jeweils Beispiele für Yogastellungen, Atemübungen, dem Seinszustand sowie weiteren energetischen Zuordnungen:


Element Luft

Sanskritname: Vayu

Das Element Luft sind die Flügeln des Lebens und es drückt die Idee der Bewegung aus. Luft ist flexibel, aktiv, leicht und erfrischend. Dieses Element bringt Inspiration, Mobilität und Veränderung auf allen Ebenen. Über die Atmung macht Luft die Verbindung mit dem Leben und der Lebendigkeit möglich. Die Qualität des Element Luft verleiht Aktivität und Ausdehnung - unser Geist und der Verstand sind hier zuhause. Positiv drückt sich dies in einem wachen und regen "Kopf" aus. Luft trägt inspirierenden Charakter in sich und unterstützt Ideenreichtum. Auf emotionaler und geistiger Ebene kann ein Zuviel des Element Luft Rastlosigkeit, Nervosität, Besorgtheit, innere Unruhe und Ängstlichkeit auslösen. Das Element Luft steht für Energiebewegung in verschiedenen Formen und regelt entsprechende Energie- und Körperfunktionen. Man kann es auf den Körper bezogen als die subtile Energie, die die biologischen Bewegungen regelt, bezeichnen. Die Atmung, Bewegungen in den Muskeln, alles Ausdehnen und Zusammenziehen im Körper, der Lidschlag und sogar die einzelnen Impulse in den Nervenzellen unterliegen diesem Prinzip. Auch alle subtilen Veränderungen im Körper und im Stoffwechsel folgen dem Grundsatz der Bewegung. Durch Vayu kannst du über den Tastsinn die Körperberührung empfinden. Ein Verfeinern dieses Sinnesorgans macht es möglich, auf Empfindungen einer viel höheren Frequenz zu reagieren, wie etwa auf die Bewegung reiner Energie innerhalb und ausserhalb von uns.

Gerade mit Yoga und all seinen "Werkzeugen" versuchen wir auf verschiedene Ebenen einzuwirken, diese zu sublimieren und zu verfeinern. Luft und der Atem spielen hierbei eine grosse Rolle. Der Atem ist der körperlichste Ausdruck von Prana, der subtilen Lebensenergie und Prana ist eng mit dem Atem verbunden. Als Träger von Prana können wir ganz besonders mit Pranayama, den Atemübungen, regulierend und vitalisierend auf den Pranastrom Einfluss nehmen. Von allen Elementen ist Luft möglicherweise das stärkste "Mittel", um den Körper von Giftstoffen zu reinigen. Dies liegt teilweise daran, dass es Feuer in unserem Körper und im Geist entfacht. Der psychische Ort des Luftelement ist Anahata Chakra, das Herz-Energiezentrum.



Luft in der Yogapraxis stärken

1. Pranayama / Atemübung:

  • Alle Pranayama
  • Vollständige Yogaatmung
  • Anuloma Viloma / Nadi Sodhana - Wechselatmung
  • Kapalabhati
  • Bhastrika
  • Ujjayi Pranayam
  • Lange Ausatmung und Vokal A ertönen lassen
  • Bei der Atmung den Fokus auf Brust- und Herzraum


2. Asana / Yogastellung - Stärkung / Aktivierung und Dehnung Brust- und Herzraum - Rückbeuge
  • Vayu Namaskar - Windgruss
  • Fliessende Vinyasa - Flow Sequenzen mit Leichtigkeit und Verspieltheit ausgeführt
  • Karana - Atem und Bewegung synchronisieren
  • Kleine pulsierende und dreidimensionale Bewegungen im Asana
  • Kreisende und 8er Bewegungen für die Gelenke
  • Sprünge, zB aus Adho Mukha Shvanasana nach vorne mit der Einatmung und von Uttanasana nach hinten mit der Ausatmung
  • Balance, Gleichgewichtshaltungen wie Krieger III, Vrikshasana (Baum mit Fokus auf Baumkrone)
  • Alle "Vogel" Asanas wie Garuda (Adler); Kakasana (Krähe); Kapotasana (Taube) in Bewegung zB Wirbelsäule auf- und abrollen; Bakasana (Kranich)
  • Rückbeugen, die stimulierende Funktion auf Herzbereich haben: Sphinx, Bhujangasana (Kobra), Dhanurasana, (Bogen), Ustrasana (Kamelstellung), Chakrasana (Rad), Shalabasana (Heuschrecke), Urdhva Mukha Shvanasana (Heraufschauender Hund), Matsyasana (Fisch)
  • Armbalancen wie zB Ashtavakrasana und Eka Pada Koundinyasana
  • Shavasana - Entspannung mit Fokus auf Leichtigkeit im Herz, Öffnung und tiefe innere Freude
  • Yoga Nidra Tiefenentspannung mit Fokus auf Inspiration, Toleranz und Flexibilität
  • innere Bilder visualisieren wie zB Himmel, Wolken, Adler der fliegt, Vogelwelt, Feder, Watte, Leichtigkeit, Heissluftballon, Gleitschirm fliegen, Segelflugzeug, Blatt im Wind
  • geistige Aktivität zulassen mit Suche auf innere Wahrheit
  • Klärung des geistigen Feldes


3. Bhava - Gefühl, Seinszustand, Eigenschaften der Yogapraxis:

  • Fokus auf all das, was du mit Freiheit verbindest
  • bewegend, reinigend, aktivierend
  • Leichtigkeit und Öffnung
  • Verbindung zur Lebenskraft Prana
  • Mobilität und Flexibilität
  • lebendiger Bewegungsrhythmus
  • luftige Qualität
  • Herzqualitäten wie Güte, Liebe, Hilfsbereitschaft, Vergebung, Selbstlosigkeit
  • Detox - Luft in "stockende" Situationen bringen
  • Empfindungen auf der Haut wahrnehmen
  • Schweben, Fliegen, Luft spüren
  • Lebensenergie in der Mühelosigkeit
  • Empfindungen im Herzen wahrnehmen
  • Meditation mit Meditationsobjekt Atem, Himmel, Bewegung


4. Energetische Zuordnungen:

  • Chakra / Energiezentrum: Anahata (Herz)
  • Bandha / energet. Verschluss: Jalandhara Bandha
  • Bija Mantra: YAM
  • Vayu / Wind: Prana
  • Mudra: Padma, Shank, Anjali, Garuda, Hridaya
  • Dristhi / Blick: Kreislauf der Augen in alle Richtungen
  • Tala / Rhythmus: inspirerend, transzendierend

 

Viel Freude bei der Kultivierung des Element Luft in deiner Yogapraxis. Habe Freude an der Leichtigkeit, bringe Bewegung und Freude in dein Leben, gerade dann, wenn du an einem Punkt feststeckst. Mitgefühl und Empathie leiten dich.


 
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